Berufsunfähigkeitsversicherung in Deutschland – was ist, wenn Sie eines Tages nicht mehr arbeiten können?
Die meisten Menschen denken an Versicherungen, wenn sie ein Auto kaufen, in eine Wohnung einziehen oder eine Familie gründen. Das größte finanzielle Risiko für viele Berufstätige ist jedoch nicht ein Verkehrsunfall, ein Brand oder ein Einbruch.
Das größte Risiko ist der Verlust der eigenen Arbeitskraft.
Was passiert, wenn Sie mit 45 Jahren wegen einer Erkrankung der Wirbelsäule Ihren Beruf nicht mehr ausüben können? Was ist, wenn Sie wegen Burn-out, Depression oder einer chronischen Erkrankung nicht mehr voll arbeiten können? Was passiert, wenn der Arzt feststellt, dass Sie nicht mehr in Ihren Beruf zurückkehren können?
Viele Menschen gehen davon aus, dass der Staat sich dann um sie kümmert. In der Realität ist das System deutlich komplizierter.
Genau dafür gibt es die Berufsunfähigkeitsversicherung, häufig kurz BU genannt.
Viele Finanzberater in Deutschland halten sie für eine der wichtigsten privaten Versicherungen überhaupt.
Was bedeutet Berufsunfähigkeit?
Berufsunfähigkeit bedeutet, dass Sie wegen Krankheit, Unfall oder eines gesundheitlichen Zustands Ihren bisherigen Beruf zu mindestens 50 % nicht mehr ausüben können.
Sehr wichtig: Sie müssen nicht vollständig arbeitsunfähig sein.
Es reicht, dass Sie Ihren konkreten Beruf nicht mehr ausüben können.
Beispiele:
- eine Pflegefachkraft mit chronischen Rückenproblemen
- ein Lkw-Fahrer, der einen großen Teil seiner Sehkraft verliert
- ein Bauarbeiter mit dauerhaften Knieproblemen
- ein Psychologe mit schwerem Burn-out-Syndrom
- ein Programmierer mit schweren neurologischen Beschwerden
Diese Personen könnten vielleicht noch irgendeine andere Tätigkeit ausüben, aber ihren bisherigen Beruf nicht mehr.
Genau hier setzt die Berufsunfähigkeitsversicherung an.
Unterschied zwischen Invalidität und Berufsunfähigkeit
Das ist eine der häufigsten Verwechslungen bei Menschen, die neu in Deutschland sind.
Staatliche Erwerbsminderungsrente
Der Staat fragt nicht in erster Linie, ob Sie Ihren bisherigen Beruf noch ausüben können.
Der Staat prüft, ob Sie überhaupt noch irgendeine Arbeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt leisten können.
Wenn Sie noch einige Stunden täglich in einem anderen Beruf arbeiten können, haben Sie möglicherweise keinen Anspruch auf eine volle Erwerbsminderungsrente.
Berufsunfähigkeit
Eine private BU-Versicherung betrachtet Ihren konkreten Beruf.
Beispiel: Ein Chirurg kann wegen eines Tremors der Hände nicht mehr operieren. Vielleicht kann er noch eine administrative Tätigkeit ausüben, aber seinen eigentlichen Beruf kann er nicht mehr ausüben.
Für den Staat ist diese Person möglicherweise nicht vollständig erwerbsgemindert. Für die Berufsunfähigkeitsversicherung kann sie berufsunfähig sein.
Praktischer Schluss
Viele Menschen, die ihren Beruf nicht mehr ausüben können, erhalten vom Staat keine ausreichende Absicherung.
Deshalb ist privater Einkommensschutz so wichtig.
Häufige Ursachen für Berufsunfähigkeit
Viele denken, dass Menschen vor allem nach schweren Verkehrsunfällen berufsunfähig werden.
In der Realität sind häufige Ursachen:
- psychische Erkrankungen
- Depression
- Burn-out
- Erkrankungen der Wirbelsäule
- Erkrankungen des Bewegungsapparats
- Krebserkrankungen
- chronische Krankheiten
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Unfälle machen nur einen Teil der Fälle aus.
Deshalb ist die Berufsunfähigkeitsversicherung oft wichtiger als die Unfallversicherung.
Die Unfallversicherung deckt Unfallfolgen ab. Die BU deckt auch Krankheiten ab.
Wie viel Schutz bietet der Staat?
In Deutschland gibt es einen gewissen Schutz durch die Erwerbsminderungsrente.
Man sollte dabei aber realistisch bleiben:
- die Voraussetzungen sind streng
- die Beträge sind oft relativ niedrig
- für viele Menschen reicht die Rente nicht aus, um den bisherigen Lebensstandard zu halten
Für eine Person mit Kredit, Miete, Kindern, Auto und regelmäßigen monatlichen Verpflichtungen ist die staatliche Rente häufig nicht ausreichend.
Sehr wichtig ist zu verstehen: Der Staat sichert eher die Grundexistenz ab, aber nicht automatisch den bisherigen Lebensstandard.
Wie funktioniert eine Berufsunfähigkeitsversicherung?
Beim Abschluss der Police wählen Sie eine monatliche Rente, die Sie erhalten möchten, wenn Sie berufsunfähig werden.
Häufige Beträge sind:
- 1.000 € monatlich
- 1.500 € monatlich
- 2.000 € monatlich
- 2.500 € monatlich
- 3.000 € monatlich
Wenn die Versicherung die Berufsunfähigkeit anerkennt, beginnt sie mit der Auszahlung der vereinbarten Rente.
Diese Rente kann der entscheidende Unterschied zwischen finanzieller Stabilität und ernsthaften Problemen sein.
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Von wann bis wann gilt die Versicherung?
Das ist einer der wichtigsten Punkte beim Vertragsabschluss.
Viele gute Policen laufen:
- bis zum 65. Lebensjahr
- oder bis zum 67. Lebensjahr
Heute wird häufig empfohlen, den Schutz bis zum 67. Lebensjahr abzuschließen, weil sich auch das reguläre Renteneintrittsalter entsprechend verschiebt.
Beispiel: Wenn Sie mit 42 Jahren berufsunfähig werden und eine Police bis zum 67. Lebensjahr haben, kann die Versicherung 25 Jahre lang eine Rente zahlen.
Deshalb ist diese Versicherung vergleichsweise teuer. Der Versicherer übernimmt ein sehr großes langfristiges Risiko.
Wann sollte man eine BU abschließen?
Am besten so früh wie möglich.
Ideal ist der Abschluss:
- während des Studiums
- während der Ausbildung
- in den ersten Berufsjahren
- solange Sie noch gesund sind
Der Grund ist einfach.
Eine jüngere Person hat meistens:
- weniger gesundheitliche Probleme
- eine einfachere Gesundheitsprüfung
- niedrigere Beiträge
- mehr Auswahl bei Versicherern
Der häufigste Fehler
Einer der größten Fehler ist der Gedanke: „Das mache ich später.“
Später kann bedeuten:
- der Beitrag ist höher
- Diagnosen sind bereits vorhanden
- der Versicherer kann Einschränkungen verlangen
- der Versicherer kann bestimmte Erkrankungen ausschließen
- der Antrag kann abgelehnt werden
Wer sollte eine Berufsunfähigkeitsversicherung haben?
Körperlich arbeitende Personen
Besonders wichtig ist sie für Menschen mit körperlich anspruchsvollen Berufen.
Beispiele:
- Bauarbeiter
- Elektriker
- Fahrer
- Lagerarbeiter
- Pflegefachkräfte
- Betreuungskräfte
- Mechaniker
Bei diesen Berufen kann schon ein kleineres gesundheitliches Problem das Ende der bisherigen beruflichen Laufbahn bedeuten.
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Büroangestellte
Ein großer Irrtum lautet: „Ich sitze am Computer, ich brauche das nicht.“
In der Realität sind psychische Erkrankungen, Burn-out, Depression und chronischer Stress sehr wichtige Gründe für Berufsunfähigkeit.
Deshalb ist die BU nicht nur für körperlich arbeitende Menschen wichtig.
Selbstständige
Für viele Selbstständige ist dies eine der wichtigsten Policen.
Wenn sie nicht arbeiten, gibt es häufig kein Einkommen.
Bei Selbstständigen gibt es keinen klassischen Arbeitgeber, der in den ersten Krankheitswochen den Lohn weiterzahlt.
Familien
Wenn ein Partner die Familie finanziell trägt, kann eine BU wichtiger sein als viele andere Versicherungen.
Ohne Einkommen können Miete, Kredit, Kinderkosten und normale Lebenshaltungskosten schnell zum Problem werden.
Was kostet eine Berufsunfähigkeitsversicherung?
Der Preis hängt von mehreren Faktoren ab:
- Alter
- Gesundheitszustand
- Beruf
- Höhe der Rente
- Laufzeit der Versicherung
- Vertragsbedingungen
Grobe Beispiele:
Kostenlose und unverbindliche Beratung auf Kroatisch, Bosnisch und Serbisch. Wir beantworten Ihre Fragen zur Krankenversicherung in Deutschland, helfen Ihnen bei der Wahl der passenden Versicherung und begleiten Sie auf Wunsch durch den gesamten Anmeldeprozess bei der BARMER.
Sie sind unsicher, welche Krankenversicherung zu Ihrer Situation passt? Lassen Sie sich kostenlos beraten. Wenn Sie sich für die BARMER entscheiden, können Sie die Anmeldung direkt online starten und erhalten Unterstützung in Ihrer Sprache.
Bürojob, 30 Jahre alt
Etwa 30 bis 70 € monatlich.
Pflegefachkraft
Etwa 60 bis 120 € monatlich.
Bauarbeiter
Etwa 100 bis 250 € monatlich.
Selbstständige
Sehr individuell, abhängig von Tätigkeit, Alter, Gesundheit und gewünschter Rente.
Wichtig: Bei der BU ist die billigste Police nicht automatisch die beste. Die Bedingungen sind oft wichtiger als der Preis.
Worauf sollte man beim Abschluss besonders achten?
Das ist der wichtigste Teil des gesamten Artikels.
Nicht alle BU-Policen sind gleich.
Schutz bis zum 67. Lebensjahr
Viele günstigere Policen enden bereits mit 60 oder 62 Jahren.
Das kann ein ernstes Problem sein, weil gerade die Jahre vor der Rente finanziell besonders empfindlich sein können.
Wenn die Police zu früh endet, kann eine Lücke zwischen dem Ende des BU-Schutzes und dem Beginn der Rente entstehen.
Verzicht auf abstrakte Verweisung
Das ist eine der wichtigsten Klauseln.
Ohne diese Klausel könnte der Versicherer sagen:
„Sie können zwar nicht mehr als Bauarbeiter arbeiten, aber Sie könnten als Empfangsmitarbeiter arbeiten.“
Und deshalb die Zahlung verweigern.
Gute Policen enthalten einen Verzicht auf abstrakte Verweisung.
Nachversicherungsgarantie
Diese Klausel ermöglicht es, die Rente später ohne erneute Gesundheitsprüfung zu erhöhen.
Das ist wichtig, wenn Sie:
- mehr verdienen
- eine Immobilie kaufen
- ein Kind bekommen
- eine Familie gründen
- selbstständig werden
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Klare Definition von Berufsunfähigkeit
Die Police sollte klar definieren, wann Sie als berufsunfähig gelten.
Bei guten Verträgen wird häufig die Grenze von mindestens 50 % Unfähigkeit zur Ausübung des bisherigen Berufs verwendet.
Finanzielle Stabilität des Versicherers
Eine BU ist ein Vertrag, der Jahrzehnte laufen kann.
Deshalb sollte man einen stabilen und seriösen Versicherer wählen.
Gesundheitsfragen korrekt beantworten
Beim Abschluss stellt der Versicherer Gesundheitsfragen.
Verschweigen Sie niemals:
- Diagnosen
- Therapien
- psychologische oder psychiatrische Behandlung
- Operationen
- chronische Erkrankungen
- regelmäßig eingenommene Medikamente
Wenn später ein Leistungsfall eintritt, kann der Versicherer die Angaben genau prüfen.
Falsche oder unvollständige Antworten können dazu führen, dass die Leistung verweigert wird.
Wie hoch sollte die BU-Rente sein?
Häufig wird empfohlen, eine Rente von etwa 60 bis 80 % des Nettoeinkommens abzusichern.
Beispiele:
| Nettogehalt | Empfohlene BU-Rente |
|---|---|
| 2.000 € | 1.200 – 1.600 € |
| 2.500 € | 1.500 – 2.000 € |
| 3.000 € | 1.800 – 2.400 € |
| 4.000 € | 2.400 – 3.200 € |
Der tatsächliche Betrag hängt ab von:
- Miete
- Krediten
- Anzahl der Kinder
- anderen Einkommen
- Ersparnissen
- Lebensstandard
Wann lohnt sich die Versicherung besonders?
Eine BU lohnt sich besonders, wenn Sie:
- langfristig in Deutschland leben und arbeiten
- von Ihrem eigenen Gehalt abhängig sind
- eine Familie versorgen
- einen Kredit haben
- in einem Beruf arbeiten, der stark von Ihrer Gesundheit abhängt
- keine großen finanziellen Rücklagen haben
- Ihren Lebensstandard schützen möchten
Wann ist sie vielleicht nicht die erste Priorität?
Eine BU kann weniger wichtig sein, wenn Sie:
- bald in Rente gehen
- sehr hohe Ersparnisse haben
- passive Einkommen haben, die Ihr Gehalt ersetzen können
- niemand finanziell von Ihnen abhängig ist
- wegen Beruf oder Gesundheit eine extrem hohe Prämie zahlen müssten
Trotzdem sollte auch dann das tatsächliche Risiko gut durchgerechnet werden.
Häufige Fehler
„Ich habe eine Unfallversicherung.“
Das ist nicht dasselbe.
Die Unfallversicherung deckt Unfälle ab.
Die BU deckt:
- Krankheiten
- Depression
- Burn-out
- Krebserkrankungen
- chronische Erkrankungen
- Unfälle
„Der Staat wird sich kümmern.“
Teilweise, aber sehr oft nicht in dem Umfang, den Menschen erwarten.
Die staatliche Absicherung kann für die realen monatlichen Kosten zu niedrig sein.
„Ich nehme einfach die billigste Police.“
Bei der BU sind die Bedingungen oft wichtiger als der Preis.
Eine günstige Police mit schlechten Bedingungen kann gerade dann problematisch werden, wenn Sie sie am dringendsten brauchen.
„Ich schließe sie später ab.“
Später bedeutet oft teurer, schwieriger oder unmöglich.
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Für einen besseren Überblick über das deutsche Versicherungssystem lesen Sie auch die Ratgeber zu Versicherungen und Absicherung in Deutschland, welche Versicherungen man in Deutschland wirklich braucht, Krankenversicherung, private Haftpflichtversicherung, Rechtsschutzversicherung und Unfallversicherung.
Fazit
Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist eine der wenigen Versicherungen, die nicht Auto, Wohnung oder Eigentum schützt.
Sie schützt Ihr zukünftiges Einkommen.
Wenn Sie eines Tages Ihren Beruf nicht mehr ausüben können, kann genau diese Rente entscheiden, ob Sie Ihren Lebensstandard halten, einen Kredit weiterbezahlen und Ihre Familie finanziell versorgen können.
Deshalb halten viele Fachleute die Berufsunfähigkeitsversicherung für berufstätige Menschen für wichtiger als viele andere freiwillige Versicherungen.
Der beste Zeitpunkt für den Abschluss ist fast immer so früh wie möglich – solange Sie gesund sind, die Beiträge niedriger sind und Sie noch zwischen besseren Tarifen wählen können.
Häufige Fragen
Was ist Berufsunfähigkeit?
Berufsunfähigkeit bedeutet, dass Sie wegen Krankheit oder Unfall Ihren bisherigen Beruf in erheblichem Umfang nicht mehr ausüben können.
Deckt die Berufsunfähigkeitsversicherung psychische Erkrankungen ab?
Ja, die meisten guten Policen decken Depression, Burn-out und andere psychische Erkrankungen ab.
Ist Berufsunfähigkeit dasselbe wie Invalidität?
Nein. Die staatliche Erwerbsminderung prüft, ob Sie irgendeine Arbeit leisten können. Die BU prüft, ob Sie Ihren konkreten Beruf ausüben können.
Ist die BU wichtiger als eine Unfallversicherung?
Für viele Berufstätige oft ja, weil die BU auch Krankheiten abdeckt und nicht nur Unfälle.
Was kostet eine BU-Versicherung?
Häufig zwischen 30 und 150 € monatlich, bei risikoreichen Berufen aber auch mehr.
Wann sollte man eine Police abschließen?
Solange man jung und gesund ist, idealerweise während Studium, Ausbildung oder in den ersten Berufsjahren.
Bis wann sollte die Police laufen?
Idealerweise bis zum 67. Lebensjahr, damit keine Lücke zwischen Versicherungsende und Rentenbeginn entsteht.
Was bedeutet Verzicht auf abstrakte Verweisung?
Das ist eine wichtige Klausel, mit der der Versicherer darauf verzichtet, Sie einfach auf einen völlig anderen Beruf zu verweisen, statt die BU-Rente zu zahlen.
Nützliche Quellen
- Deutsche Rentenversicherung
- BaFin – Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht
- Verbraucherzentrale
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Berufsunfähigkeitsversicherung – was ist, wenn Sie eines Tages nicht mehr arbeiten können?
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