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Kroaten in Deutschland – Geschichte der Migration, Gastarbeiter, Integration, Familie, Sprache, Identität, Rückkehr und die Verbindung zwischen Kroatien und Deutschland.

Kroaten in Deutschland – ein Leben zwischen zwei Ländern

Kroaten in Deutschland – ein Leben zwischen zwei Ländern

Von der ersten Gastarbeitergeneration bis zu in Deutschland geborenen Kindern und Enkeln: Migration, Familie, Sprache, Integration, Identität und die dauerhafte Verbindung zu Kroatien.

Freitagnachmittag irgendwo in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen oder Nordrhein-Westfalen. Das Auto ist voller Taschen, die Kinder sitzen hinten und das Navi zeigt noch mehrere hundert Kilometer bis Kroatien. Für viele heißt es: „Wir fahren nach Hause.“ Einige Tage später, auf der Rückfahrt nach Deutschland, fällt möglicherweise derselbe Satz noch einmal.

In dieser scheinbar kleinen sprachlichen Besonderheit steckt ein großer Teil des Lebens vieler Kroaten in Deutschland. Deutschland ist Alltag, Arbeit und Schule. Kroatien bleibt Familie, Sprache, Erinnerung und für viele ein zweiter Ort der Zugehörigkeit.

Für viele Kroaten ist das Leben längst keine Entscheidung zwischen Kroatien oder Deutschland. Sie leben in Deutschland und gleichzeitig mit Kroatien.

Wer sind die Kroaten in Deutschland eigentlich?

Die Frage klingt einfach, lässt sich statistisch und gesellschaftlich aber nicht mit einer einzigen Zahl beantworten. Zur kroatisch geprägten Bevölkerung in Deutschland gehören kroatische Staatsangehörige, deutsche Staatsangehörige mit kroatischen Eltern oder Großeltern, Menschen mit mehreren Staatsangehörigkeiten, in Deutschland geborene Kinder sowie Kroaten, deren Familien beispielsweise aus Bosnien und Herzegowina stammen.

Eine Person kann in Stuttgart geboren sein, Deutsch als stärkste Sprache sprechen und jeden Sommer bei den Großeltern in Dalmatien verbringen. Eine andere Person wurde in Mostar geboren, lebt seit dreißig Jahren in München und beschreibt sich selbst vor allem als Kroate. Ein deutscher Staatsbürger mit kroatischen Eltern kann kulturell eng mit Kroatien verbunden sein, erscheint in der Ausländerstatistik aber nicht mehr als kroatischer Staatsangehöriger.

Staatsangehörigkeit, Geburtsort, familiäre Herkunft, Sprache und persönliche Identität sind deshalb unterschiedliche Dinge. Gerade bei Zahlen über „Kroaten in Deutschland“ muss dieser Unterschied immer mitgedacht werden.

Wie viele kroatische Staatsangehörige leben in Deutschland?

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes auf Grundlage des Ausländerzentralregisters lebten am 31. Dezember 2025 413.480 Menschen mit kroatischer Staatsangehörigkeit in Deutschland. Davon waren 61.750 in Deutschland geboren.

413.480kroatische Staatsangehörige Ende 2025
61.750in Deutschland geboren
61.260unter 20 Jahre
67.34065 Jahre oder älter
21,6 Jahredurchschnittliche Aufenthaltsdauer
152.730mit mindestens 25 Jahren Aufenthaltsdauer

Diese 413.480 Personen sind nicht identisch mit allen Menschen kroatischer Herkunft. Wer inzwischen ausschließlich die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, wird in dieser Statistik nicht als Kroate gezählt. Die breitere Bevölkerung mit kroatischen Wurzeln ist deshalb größer, lässt sich aber nicht seriös aus einer einzigen Staatsangehörigkeitstabelle ableiten.

Bemerkenswert ist die Altersstruktur. Ende 2025 gab es unter den kroatischen Staatsangehörigen 61.260 Menschen unter 20 Jahren und zugleich 67.340 Menschen ab 65 Jahren. Das Durchschnittsalter lag bei 43,6 Jahren. Kroaten in Deutschland sind damit längst nicht nur eine Gruppe neu zugewanderter Arbeitnehmer.

Auch die Aufenthaltsdauer zeigt die Tiefe der Migration: 152.730 kroatische Staatsangehörige waren statistisch bereits mindestens 25 Jahre in Deutschland erfasst; die durchschnittliche Aufenthaltsdauer betrug 21,6 Jahre. Die heutige Community besteht deshalb gleichzeitig aus alter und neuer Migration.

Die Geschichte der Kroaten in Deutschland begann nicht mit dem EU-Beitritt

Wer heute über Zuwanderung aus Kroatien spricht, denkt häufig zuerst an die Jahre nach 2013. Die kroatische Präsenz in Deutschland ist jedoch wesentlich älter.

Eine zentrale Zäsur war das Jahr 1968. Damals schloss die Bundesrepublik Deutschland ein Anwerbeabkommen mit Jugoslawien. Die westdeutsche Wirtschaft benötigte Arbeitskräfte. Viele Menschen aus den damaligen kroatischen Landesteilen kamen in Industriebetriebe, Produktion, Bau und andere körperlich belastende Tätigkeiten.

Sie wurden damals nicht als Staatsbürger der heutigen Republik Kroatien erfasst, sondern als jugoslawische Staatsangehörige. Historische Statistiken über Kroaten sind deshalb nur begrenzt direkt mit heutigen Zahlen vergleichbar.

1968: Anwerbeabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Jugoslawien.

1973: Anwerbestopp in Deutschland; Familiennachzug und dauerhafte Niederlassung gewinnen anschließend weiter an Bedeutung.

Die Bundeszentrale für politische Bildung weist darauf hin, dass „Gastarbeiter“ kein amtlicher Begriff war. Er spiegelte vielmehr die Vorstellung wider, dass die angeworbenen Menschen nur vorübergehend bleiben sollten. Viele kehrten tatsächlich zurück. Andere blieben und holten ihre Familien nach.

Genau darin liegt der Beginn einer dauerhaft in Deutschland verankerten kroatischen Bevölkerung. Aus Arbeitnehmern wurden Familien, aus vorübergehenden Unterkünften dauerhafte Wohnungen, aus Kindern Schüler, Auszubildende, Studierende und später Eltern einer neuen Generation.

Erfahrungen von Menschen, die aus Kroatien und Südosteuropa nach Deutschland gekommen sind
Hinter jeder Migrationsstatistik stehen individuelle Lebensläufe, Familien und sehr unterschiedliche Erfahrungen mit Deutschland.

Gastarbeiter, die oft gar keine Auswanderer werden wollten

Das ursprüngliche Modell war vergleichsweise klar: Einige Jahre in Deutschland arbeiten, Geld verdienen und zurückkehren. In der Realität verschob sich die geplante Rückkehr jedoch häufig immer weiter.

Zuerst sollte das Haus fertig werden. Dann kam eine bessere Stelle. Die Kinder gingen bereits in eine deutsche Schule. Später wurde eine Wohnung gekauft. Jahrzehnte danach hieß es immer noch: „Wenn ich in Rente gehe, gehen wir zurück.“

Auch das verbreitete Bild des männlichen Gastarbeiters erzählt nur einen Teil der Geschichte. Frauen waren ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der Arbeitsmigration. Die bpb dokumentiert einen starken Anstieg ausländischer Arbeitnehmerinnen in der Bundesrepublik bis zum Anwerbestopp 1973.

Viele Familien lebten sparsam und investierten einen erheblichen Teil ihres Einkommens in Kroatien oder in die damalige Heimatregion. Das Ziel war oft nicht, Deutschland zum dauerhaften Lebensmittelpunkt zu machen. Genau das geschah aber bei einem großen Teil der Familien mit der Zeit trotzdem.

Das Haus in Kroatien als Symbol einer geplanten Rückkehr

In vielen Familien war das Haus in Kroatien weit mehr als eine Immobilie. Es war das sichtbare Versprechen, dass Deutschland nur eine Zwischenstation sein würde. Jahr für Jahr wurde gebaut, erweitert und renoviert.

Mit den Jahrzehnten veränderte sich seine Bedeutung. Für die erste Generation blieb es der zukünftige Wohnort. Für die Kinder wurde es das Haus der Großeltern und der Sommerferien. Für die Enkel kann es heute ein emotional wichtiger Ort sein, ohne dass sie dort ihr Erwachsenenleben planen.

Dasselbe Gebäude kann damit innerhalb einer Familie drei vollkommen unterschiedliche Vorstellungen von Kroatien verkörpern.

Der Anwerbestopp von 1973 beendete die Migration nicht

1973 endete die organisierte Anwerbung. Migration und Niederlassung hörten jedoch nicht auf. Gerade weil eine erneute Einreise zum Arbeiten anschließend weniger selbstverständlich war, entschieden sich manche Beschäftigte dafür, in Deutschland zu bleiben und ihre Familien nachzuholen.

Damit verlagerte sich die Geschichte vom Arbeitsplatz in das gesamte Alltagsleben. Kinder gingen zur Schule, Wohnungen wurden langfristig gemietet oder gekauft, Familien brauchten Ärzte, Kindergärten und soziale Netzwerke.

Aus der Frage „Wie lange arbeite ich in Deutschland?“ wurde für viele schrittweise die Frage „Wie bauen wir hier unser Leben auf?“

Die 1990er-Jahre eröffneten eine völlig neue Phase

Der Zerfall Jugoslawiens und die Aggression der Jugoslawischen Volksarmee (JNA) und serbischer Kräfte gegen Kroatien zu Beginn der 1990er-Jahre sowie anschließend der Krieg in Bosnien und Herzegowina lösten eine neue Phase von Flucht und Migration aus. Aggression, Besetzung von Teilen Kroatiens und Bosnien und Herzegowinas, Zerstörung und Vertreibung führten zu weiteren Wanderungsbewegungen von Kroaten nach Deutschland und in andere westeuropäische Staaten.

Der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien beschreibt, dass kroatische Serben mit Unterstützung der JNA und Serbiens gegen die neue kroatische Staatsgewalt rebellierten, nahezu ein Drittel des kroatischen Staatsgebiets unter ihre Kontrolle brachten und Kroaten sowie andere Nicht-Serben aus diesen Gebieten vertrieben. Kroatische Kräfte verteidigten das Land und kämpften um die Wiederherstellung seiner territorialen Kontrolle. Der Überblick des ICTY über die Konflikte dokumentiert unter anderem die Zerstörung von Vukovar und den Beschuss Dubrovniks.

In Bosnien und Herzegowina weitete sich der Krieg 1992 massiv aus. Bosnisch-serbische Kräfte übernahmen mit umfangreicher Unterstützung der JNA und Serbiens schnell große Teile des Landes. ICTY-Unterlagen dokumentieren erhebliche Waffen-, Munitions-, Ausrüstungs- und Finanzhilfen aus den Strukturen der JNA, ihrer Nachfolger und aus Serbien für serbische Kräfte in Kroatien und Bosnien und Herzegowina.

Für viele kroatische Familien in Deutschland waren diese Jahre deshalb keine abstrakte außenpolitische Entwicklung. Familienangehörige lebten in Kriegs- oder besetzten Gebieten, Häuser wurden zerstört, Menschen wurden vertrieben, während andere Familienmitglieder bereits in Deutschland lebten oder dort Hilfe organisierten.

Auch die eigene staatliche Identifikation änderte sich. Menschen, die in Deutschland über Jahre administrativ als „Jugoslawen“ geführt worden waren, sagten nun: „Ich komme aus Kroatien.“ Deutschland erkannte Kroatien am 19. Dezember 1991 an; diplomatische Beziehungen wurden am 15. Januar 1992 aufgenommen.

Der EU-Beitritt Kroatiens veränderte die Logik der Migration

Kroatien trat am 1. Juli 2013 der Europäischen Union bei. Deutschland nutzte zunächst Übergangsregeln für den Arbeitsmarktzugang. Seit dem 1. Juli 2015 gilt für kroatische Staatsangehörige die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit in Deutschland.

Damit wurde Migration deutlich flexibler. Ein junger Mensch kann für zwei Jahre nach München gehen, später zurück nach Kroatien ziehen und einige Jahre danach erneut in Deutschland arbeiten. Die Entscheidung muss nicht mehr dieselbe Endgültigkeit haben wie in früheren Jahrzehnten.

Dadurch verschwimmen auch die Grenzen zwischen Auswanderung und europäischer Mobilität. Für manche ist Deutschland eine zeitlich begrenzte berufliche Station, für andere wird es unerwartet zum dauerhaften Lebensmittelpunkt.

Wer gerade erst angekommen ist und praktische Hilfe für die ersten Wochen benötigt, findet diese im Ratgeber Der erste Monat in Deutschland.
Der erste Monat in Deutschland nach dem Umzug aus Kroatien
Die moderne Migration ist administrativ und kommunikativ einfacher geworden. Die persönliche Anpassung an einen neuen Alltag braucht trotzdem Zeit.

Ein Gastarbeiter von 1970 und ein Zuwanderer von 2018 erleben Entfernung völlig unterschiedlich

Wer Anfang der 1970er-Jahre kam, hatte kein Internet, keine Videotelefonie und keine ständig verfügbaren Informationsquellen. Telefonate waren teuer. Informationen über Behörden, Rechte und Arbeit kamen häufig von Kollegen, Verwandten oder Personen, die bereits länger in Deutschland lebten.

Wer 2018 nach Deutschland zog, konnte vorher die neue Straße online ansehen, Verträge innerhalb von Sekunden an die Familie schicken, jeden Abend per Video telefonieren und kroatische Medien in Echtzeit verfolgen.

Die geografische Distanz ist dieselbe geblieben. Die soziale Distanz ist deutlich kleiner geworden.

Das prägt eine neue Form transnationalen Lebens. Man kann physisch in Frankfurt leben und gleichzeitig jeden Tag einen erheblichen Teil des sozialen Lebens in Kroatien verfolgen.

Die digitale Diaspora verbindet – und verbreitet manchmal falsche Informationen

Facebook-Gruppen, WhatsApp, Portale und soziale Netzwerke haben einen Teil jener Funktion übernommen, die früher Vereine, Kirchengemeinden oder persönliche Bekanntschaften hatten. Wer einen kroatischsprachigen Arzt, eine Wohnung oder einen Steuerberater sucht, kann heute innerhalb weniger Minuten viele Menschen erreichen.

Gleichzeitig verbreitet sich eine falsche Information genauso schnell. Eine persönliche Erfahrung aus einem bestimmten Bundesland und einem bestimmten Jahr wird leicht als allgemeine deutsche Regel weitergegeben.

Deshalb braucht eine moderne Community beides: menschliche Erfahrung und überprüfbare Information. Genau an dieser Schnittstelle soll AdriaVeza.de stehen – nah an den praktischen Erfahrungen der Menschen, aber bei Recht, Steuern, Sozialversicherung, Gesundheit und Verwaltung möglichst nah an aktuellen offiziellen Quellen.

Deutschland ist längst nicht mehr nur das Land, in dem Kroaten arbeiten

Für viele Familien ist Deutschland das Land, in dem Kinder geboren wurden, in dem sie zur Schule gehen, ihre Ausbildung machen, studieren, Freunde finden und eigene Familien gründen.

Hier befinden sich Wohnung oder Haus, Hausarzt, Arbeitgeber, Nachbarn und oft ein großer Teil des persönlichen Netzwerks. Nach drei oder vier Jahrzehnten wäre es künstlich, Deutschland nur als vorübergehenden Arbeitsort zu bezeichnen.

Gleichzeitig kann Kroatien emotional weiterhin eine zentrale Rolle spielen. Tiefe Verwurzelung in Deutschland und eine starke Verbindung zu Kroatien schließen sich nicht gegenseitig aus.

Integration bedeutet nicht, die kroatische Identität aufzugeben

Integration wird manchmal fälschlicherweise als Gegensatz zur eigenen Herkunft verstanden. In Wirklichkeit kann ein Mensch hervorragend Deutsch sprechen, sich im deutschen System sicher bewegen, deutsche Freunde haben und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen, ohne seine familiäre und kulturelle Verbindung zu Kroatien zu verlieren.

Integration bedeutet im Alltag vor allem Selbstständigkeit: mit einem Arzt ohne Übersetzer sprechen, einen Arbeitsvertrag verstehen, mit der Schule kommunizieren, ein Schreiben vom Finanzamt einordnen oder die eigenen Rechte gegenüber einem Arbeitgeber oder Vermieter vertreten können.

Gute Deutschkenntnisse machen jemanden nicht weniger kroatisch. Sie machen ihn in Deutschland unabhängiger.

Mehr dazu finden Sie künftig im Bereich Integration und Identität.

Die kroatische Sprache erfüllt bei Kindern eine andere wichtige Funktion

Kinder, die in Deutschland aufwachsen, verbringen den größten Teil des Tages im Deutschen. Kindergarten, Schule, Freunde und häufig auch digitale Medien stärken automatisch die deutsche Sprache. Kroatisch bleibt stärker auf Familie, Ferien und einzelne soziale Räume begrenzt.

Deshalb ist es vollkommen normal, dass manche Kinder Kroatisch sehr gut verstehen, aber häufiger auf Deutsch antworten. Sprache entwickelt sich in mehrsprachigen Familien nicht immer symmetrisch.

Kroatisch ist dabei nicht nur ein Identitätssymbol. Es ermöglicht direkte Beziehungen zu Großeltern und Verwandten. Wer die Sprache der eigenen Familie versteht und sprechen kann, hat Zugang zu Gesprächen, Geschichten und Erinnerungen, die durch ständiges Übersetzen schwerer vermittelbar wären.

Der Themenbereich Kinder und kroatische Sprache wird diese Fragen vertiefen.

Kroatischunterricht ist mehr als Grammatik

In Deutschland existieren unterschiedliche Modelle des Kroatischunterrichts. Ein offizielles kroatisch-deutsches Bildungsprotokoll aus dem Jahr 2026 unterscheidet Unterricht innerhalb des deutschen Schulsystems und Unterricht in Zuständigkeit der Republik Kroatien. Letzterer ist derzeit über sechs Koordinationsbereiche organisiert: Berlin, Hamburg, Bayern sowie Stuttgart, Mannheim und Ulm in Baden-Württemberg.

Für Kinder kann dieser Unterricht zugleich ein sozialer Raum sein. Sie treffen andere Kinder, deren Familien ebenfalls zwischen zwei Ländern, Sprachen und Alltagswelten leben.

Die Sprache sollte dabei nicht zu einer Loyalitätsprüfung werden. Ein Kind mit deutschem Akzent ist nicht weniger wert. Mehrsprachigkeit ist kein mathematisches 50-zu-50-Verhältnis, sondern verändert sich im Laufe des Lebens.

Familie auf zwei Adressen

Für viele Kroaten in Deutschland ist die wichtigste Verbindung zu Kroatien nicht Politik oder Sport, sondern Familie. Eltern und Geschwister leben möglicherweise weiterhin dort, während Kinder und Enkel in Deutschland aufwachsen.

Mit zunehmendem Alter der Eltern verändert sich die Entfernung. Solange alle gesund sind, wirken einige hundert Kilometer überschaubar. Wenn Pflege, Arzttermine oder tägliche Hilfe notwendig werden, wird dieselbe Entfernung zu einer großen organisatorischen und emotionalen Belastung.

Viele Familien stehen deshalb irgendwann nicht mehr vor der Frage, wie Eltern ihren Kindern beim Start in Deutschland helfen, sondern wie erwachsene Kinder aus Deutschland ihre alternden Eltern in Kroatien unterstützen können.

Diese Themen gehören in den Bereich Familie und Unterstützung.

Freitag Richtung Kroatien, Sonntag Richtung Deutschland

Autobahnen sind ein stilles Symbol des Lebens zwischen beiden Ländern. Fahrten nach Kroatien sind oft keine gewöhnlichen Urlaubsreisen. Es geht um Hochzeiten, Beerdigungen, Geburtstage, Weihnachten, Ostern, Eltern, Arbeiten am Haus oder einfach den Wunsch, einige Tage in einer vertrauten Umgebung zu verbringen.

Nach zwei oder drei Wochen passiert häufig das Gegenteil. Die Kinder vermissen ihre Freunde. Der eigene Alltag und die eigene Wohnung in Deutschland fehlen. Das Auto wird wieder gepackt.

Und wieder heißt es: „Wir fahren nach Hause.“

Wo ist eigentlich „zu Hause“?

Für jemanden, der seit einem halben Jahr in Deutschland lebt, kann die Antwort einfach sein: in Kroatien. Nach vierzig Jahren wird sie oft komplizierter.

In Kroatien wird man scherzhaft „der Deutsche“ genannt. In Deutschland wird man nach Jahrzehnten gefragt, woher man „ursprünglich“ komme. In Kroatien fühlt sich vieles vertraut an, und trotzdem fehlt nach einiger Zeit der deutsche Alltag.

Das muss keine Identitätskrise sein. Es kann einfach bedeuten, dass zwei Länder zu realen Bestandteilen des eigenen Lebens geworden sind.

Wer zwei Orte als Heimat empfindet, ist nicht heimatlos.

Das Kroatien der Erinnerung bleibt nicht stehen

Wer jahrzehntelang im Ausland lebt, trägt oft ein Bild Kroatiens mit sich, das aus der Zeit der eigenen Auswanderung stammt. Doch Kroatien verändert sich, genauso wie Deutschland und die Person selbst.

Verwaltung, Arbeitsmarkt, Preise, gesellschaftliche Gewohnheiten und persönliche Netzwerke sind nach drei Jahrzehnten nicht mehr dieselben. Gleichzeitig hat jemand, der lange in Deutschland gelebt hat, bestimmte Arbeits- und Alltagsgewohnheiten übernommen.

Eine Rückkehr kann deshalb wunderschön sein, aber zugleich eine neue Anpassung verlangen. Aus diesem Grund ist Rückkehr nach Kroatien ein eigenständiges Thema und nicht lediglich das rückwärts abgespielte Auswandern.

Integration von Kroaten in Deutschland bedeutet nicht den Verlust der kroatischen Identität. Sprache, Arbeit, Bildung und Teilhabe können mit kroatischer Kultur und Familie zusammenbestehen.

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Kroatien im Sommer ist nicht dasselbe wie Kroatien im Alltag

Für Kinder in Deutschland besteht Kroatien oft aus Meer, Großeltern, Ferien, Sonne und langen Abenden. Das ist real, aber es ist die Realität des Urlaubs.

Ein dauerhaftes Leben bedeutet auch Schule im November, Arbeit, Rechnungen, Behördengänge und gewöhnliche Wochentage.

Umgekehrt wird Deutschland von außen leicht durch das Gehalt eines Verwandten beurteilt. Man sieht 3.000 Euro netto, aber nicht automatisch die Miete, sonstige Lebenshaltungskosten, die Entfernung zur Familie oder die emotionale Seite der Migration.

Beide Länder lassen sich von außen leichter idealisieren als im normalen Alltag.

Es gibt keine allgemeingültige Antwort darauf, wo das Leben besser ist

Wer Deutschland und Kroatien vergleicht, vergleicht häufig unterschiedliche Dinge. Der eine meint das Einkommen, der andere die Familie. Für jemanden ist berufliche Sicherheit entscheidend, für den nächsten Klima, Sprache oder soziale Nähe.

Deutschland kann Chancen und Stabilität bieten, die eine Person zu einem bestimmten Zeitpunkt in Kroatien nicht gefunden hat. Kroatien kann gleichzeitig Nähe zur Familie, Sprache und ein Gefühl von Vertrautheit bieten, das sich nicht in Euro messen lässt.

Deshalb sind Bleiben und Rückkehr keine moralischen Kategorien. Wer in Deutschland bleibt, ist nicht weniger Kroate. Wer zurückkehrt, hat nicht in Deutschland versagt.

„Wenn ich in Rente gehe, kehre ich zurück“

Dieser Satz begleitet viele Familien über Jahrzehnte. Zuerst soll das Haus fertig werden, dann sollen die Kinder ihre Schule abschließen, später soll der Kredit bezahlt sein.

Wenn die Rente schließlich kommt, leben die Kinder vielleicht in der Nähe, die Enkel besuchen eine deutsche Schule und der Hausarzt kennt die Krankengeschichte seit zwanzig Jahren.

Einige kehren trotzdem dauerhaft zurück. Andere bleiben. Wieder andere teilen das Jahr zwischen Deutschland und Kroatien. Für viele ist ein solches Modell realistischer als eine endgültige Entscheidung für nur eine Seite.

Damit wird sichtbar, dass Migration den gesamten Lebenszyklus prägen kann – vom ersten Arbeitsplatz bis zur Rente und zur Frage, wo man im Alter Unterstützung haben möchte.

Die zweite und dritte Generation kann dieselbe Beziehung zu Kroatien nicht einfach erben

Eltern, die in Kroatien aufgewachsen sind, haben persönliche Erinnerungen an Schule, Nachbarschaft, Freunde und ein Leben vor Deutschland. Ein in Frankfurt geborenes Kind hat diese Biografie nicht.

Sein Kroatien besteht aus Familie, Ferien, Sprache und Erzählungen. Es ist deshalb normal, dass die emotionale Beziehung anders aussieht.

Die nächste Generation kann Kroatien später über Studium, Arbeit, Partnerschaft, Sprache oder Unternehmertum neu entdecken. Veränderung der Zugehörigkeit ist nicht automatisch Verlust.

Kinder bezeichnen Deutschland häufig früher als ihre Eltern als Heimat

Ein Elternteil sagt: „Irgendwann gehen wir zurück.“ Das Kind denkt: „Wohin zurück? Ich bin doch hier zu Hause.“

Für Eltern kann das schmerzhaft klingen. Für das Kind ist es möglicherweise nur eine Beschreibung seines Lebens. Schule, Freunde, Sportverein und erste selbstständige Erfahrungen befinden sich in Deutschland.

Kroatien bleibt eher dann positiv Teil dieses Lebens, wenn das Kind nicht gezwungen wird, Deutschland abzuwerten, um seine kroatische Verbindung zu beweisen.

Die Rückkehr der Eltern ist für ihre Kinder häufig eine neue Auswanderung

Ein Vater, der in sein kroatisches Heimatdorf zurückkehrt, kehrt an einen Ort eigener Kindheitserinnerungen zurück. Seine in Düsseldorf geborene Tochter zieht dagegen in ein anderes Land.

Diese Perspektive ist für Familienentscheidungen entscheidend. Was für Eltern „zurück zu den Wurzeln“ bedeutet, kann für Kinder ein kompletter Wechsel von Schule, Sprache, Freunden und Alltag sein.

Gemischte Familien verändern das traditionelle Bild der Diaspora

Eine kroatische Familie in Deutschland besteht heute nicht automatisch aus zwei in Kroatien geborenen Eltern und Kindern, die zu Hause ausschließlich Kroatisch sprechen. Ein Elternteil kann deutsch, polnisch oder aus einem anderen Land sein. Ein kroatischer Elternteil kann aus Bosnien und Herzegowina stammen.

Ein Kind kann selbstverständlich in mehreren familiären und kulturellen Räumen gleichzeitig leben. Das ist keine Ausnahme, sondern Teil des modernen europäischen Alltags.

Die deutsche Staatsangehörigkeit muss keinen Abschied von Kroatien bedeuten

Wer seit Jahrzehnten in Deutschland lebt, kann die deutsche Staatsangehörigkeit als rechtliche Anerkennung des tatsächlichen Lebensmittelpunkts verstehen. Sie muss keine Aussage gegen die kroatische Herkunft sein.

Deutschland hat das Staatsangehörigkeitsrecht 2024 reformiert und Mehrstaatigkeit breiter zugelassen. Seit dem 30. Oktober 2025 gilt für die reguläre Einbürgerung grundsätzlich wieder eine Mindestaufenthaltszeit von fünf Jahren, sofern alle weiteren Voraussetzungen erfüllt sind; die vorherige Sondermöglichkeit nach drei Jahren wurde abgeschafft.

Für kroatische Staatsangehörige als EU-Bürger ist die Einbürgerung nicht Voraussetzung für den normalen Arbeitsmarktzugang, sie kann aber für politische Mitwirkung und dauerhafte rechtliche Zugehörigkeit wichtig sein.

Vereine, Kirchengemeinden, Unterricht und Sport haben über Jahrzehnte soziale Räume geschaffen

Kroatische Vereine, katholische Gemeinden, Sportvereine, Kulturgruppen, Folklore und Unterricht haben vielen Menschen dabei geholfen, in Deutschland soziale Kontakte aufzubauen und die Verbindung zur Herkunft zu erhalten.

Früher waren diese Strukturen häufig zugleich Informationszentren. Dort fand man Hinweise zu Arbeit, Wohnung oder Behörden. Heute übernimmt das Internet einen Teil dieser Rolle, aber persönliche Beziehungen lassen sich nicht vollständig digital ersetzen.

Fußball kann ein gemeinsamer Moment sein, aber er definiert die Community nicht

Bei großen Spielen der kroatischen Nationalmannschaft wird die Größe und Vielfalt der Community sichtbar. Menschen verschiedener Generationen, Berufe und Biografien tragen für einige Stunden dieselben Farben.

Das macht die Gemeinschaft sichtbar, sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, wie unterschiedlich ihre Mitglieder politisch, religiös, sozial und kulturell tatsächlich sind.

Leben in Deutschland ist nicht immer leicht – Einsamkeit und Integration
Beruflicher Erfolg und ein höheres Einkommen lösen nicht automatisch Einsamkeit, Entfernung zur Familie oder die Herausforderung eines neuen sozialen Lebens.

Auch innerhalb einer großen Diaspora kann man einsam sein

Eine große kroatische Bevölkerung bedeutet nicht automatisch, dass jeder Neuankömmling sofort Freunde findet. Man kann in einer Stadt mit Tausenden Menschen aus Kroatien leben und trotzdem niemanden haben, mit dem man nach Feierabend spontan einen Kaffee trinken geht.

Migration wird oft wirtschaftlich bilanziert. Gehalt und Miete lassen sich leicht berechnen. Schwieriger zu messen sind Nähe zu Eltern, Freundschaften und Zugehörigkeit.

Ein Mensch kann wirtschaftlich erfolgreich und gleichzeitig sozial einsam sein. Ein Netzwerk, das in der Heimat über zwanzig Jahre gewachsen ist, entsteht in Deutschland nicht innerhalb einiger Monate.

Mehr dazu: Leben in Deutschland ist nicht immer leicht.

Wer das alte Leben vollständig festhalten möchte, baut manchmal langsamer ein neues auf

Wer jedes freie Wochenende in Kroatien verbringt, hat weniger Zeit für Freundschaften vor Ort. Wer ausschließlich kroatische Medien konsumiert, lernt die gesellschaftlichen Diskussionen in Deutschland langsamer kennen. Wer jede Behördensache nur innerhalb der eigenen Sprachgemeinschaft löst, bleibt länger abhängig.

Es geht nicht darum, Verbindungen zu Kroatien abzubrechen. Es geht darum, in beiden Richtungen Raum für echtes Leben zu schaffen.

Arbeit war der Anfang, ist aber längst nicht mehr die ganze Geschichte

Die frühe Migration war stark von Industrie, Bau und körperlich anstrengender Arbeit geprägt. Heute findet man Kroaten in Deutschland in Gesundheitsberufen, IT, Ingenieurwesen, Logistik, Bildung, Finanzen, Handwerk und zahlreichen anderen Bereichen.

Viele sind selbstständig oder beschäftigen inzwischen selbst Arbeitnehmer. Damit kann die Community zunehmend nicht nur bei der Jobsuche helfen, sondern professionelle Netzwerke zwischen beiden Ländern schaffen.

Dafür ist der Bereich Arbeit und Vernetzung vorgesehen.

Vom „Kennst du jemanden?“ zum professionellen Netzwerk

Gemeinschaften funktionieren oft über Vertrauen. Man sucht einen Handwerker, Steuerberater oder Mitarbeiter und fragt Bekannte. Das ist menschlich und praktisch.

Für professionelle Zusammenarbeit reicht Herkunft allein jedoch nicht. Qualifikation, Registrierung, Referenzen, Versicherung und Zuverlässigkeit bleiben entscheidend.

Eine moderne kroatische Wirtschaftscommunity kann gerade dann wertvoll sein, wenn sie persönliches Vertrauen mit professionellen Standards verbindet.

Kroaten in Deutschland können eine reale Brücke zwischen beiden Ländern sein

Wer deutsche und kroatische Geschäfts- und Gesellschaftskultur kennt, kann Unterschiede verstehen, die in keinem Wörterbuch stehen. Solche Menschen können Unternehmen, Arbeitnehmer, Fachkräfte, Bildungseinrichtungen und Projekte über Grenzen hinweg miteinander verbinden.

Im Mai 2026 vereinbarten Kroatien und Deutschland einen neuen Rahmen für verstärkte bilaterale Zusammenarbeit samt Aktionsplan für 2026 bis 2030. Das kroatische Außenministerium bezeichnete Deutschland dabei als wichtigsten Außenhandelspartner Kroatiens.

Die Menschen, die beide Länder verstehen, sind in diesem Verhältnis nicht nur Diaspora. Sie können ein Teil der praktischen Infrastruktur dieser Beziehungen sein.

Mehr zu diesen Verbindungen finden Sie im Bereich Kroatien – Deutschland.

Eine Community kann mehr sein als Erinnerung und Nostalgie

Über Jahrzehnte entstehen Wissen, Kapital, Kontakte und berufliche Erfahrung. Menschen können dauerhaft in Deutschland leben und trotzdem Unternehmen in Kroatien mit dem deutschen Markt verbinden oder Wissen in beide Richtungen weitergeben.

Die Frage nach der Zukunft der Diaspora sollte deshalb nicht nur lauten, wie viele Menschen nach Kroatien zurückkehren. Ebenso wichtig ist, wie viele Menschen dauerhaft Beziehungen zwischen beiden Gesellschaften schaffen.

Eine Gemeinschaft, viele sehr unterschiedliche Geschichten

Ein Industriearbeiter, der 1970 kam, eine Krankenschwester aus den 1990er-Jahren, ein IT-Spezialist von 2019 und eine in Köln geborene Frau kroatischer Eltern gehören alle zur breiten Geschichte der Kroaten in Deutschland. Ihre Erfahrungen sind dennoch nicht austauschbar.

Gerade deshalb sollte niemand versuchen, ein einziges Modell des „richtigen Kroaten in Deutschland“ zu definieren. Manche kehren zurück, manche bleiben, manche leben jahrzehntelang mit zwei Lebensmittelpunkten.

Das Schwierigste kann das Gefühl sein, immer irgendwo zu fehlen

Während man in Deutschland ist, findet in Kroatien ein Geburtstag statt. Während man in Kroatien ist, wartet die Arbeit in Deutschland. Die Eltern brauchen Hilfe, während die eigenen Kinder ihren Alltag im Norden haben.

Zwei Länder können doppelte Möglichkeiten bedeuten. Sie können aber auch doppelte Verpflichtungen erzeugen.

Das Leben zwischen zwei Ländern braucht nicht zwingend eine endgültige Lösung

Das klassische Gastarbeitermodell stellte sich eine klare Abfolge vor: gehen, arbeiten, zurückkehren. Viele heutige Lebenswege funktionieren anders.

Wohnung, Familie, Beruf, Eigentum, Freundschaften und Altersvorsorge können dauerhaft mit beiden Ländern verbunden bleiben. Es muss deshalb nicht für jede Familie irgendwann den einen Tag geben, an dem sie entscheidet, nur noch zu einem Land zu gehören.

Integration von Kroaten in Deutschland bedeutet nicht den Verlust der kroatischen Identität. Sprache, Arbeit, Bildung und Teilhabe können mit kroatischer Kultur und Familie zusammenbestehen.

Integration von Kroaten in Deutschland: Teil der Gesellschaft sein und die kroatische Identität bewahren Deutsch lernen, arbeiten, Bildungschancen nutzen, Institutionen verstehen und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen – ohne dafür Sp...

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Die Zukunft der kroatischen Community wird anders aussehen als ihre Vergangenheit

Die erste Generation brauchte die eigene Community, um in einem fremden Land Orientierung, Sprache und Hilfe zu finden. Die zweite Generation wuchs zwischen Elternhaus und deutscher Schule auf. Die dritte Generation beginnt aus einer ganz anderen Position.

Deutschland ist häufig das Geburtsland und Deutsch die stärkste Sprache. Kroatien wird stärker über Familie, Reisen, Kultur und eigene Entscheidungen vermittelt.

Diese veränderte Form von Zugehörigkeit muss nicht schwächer sein. Sie wird nur anders aussehen.

Die neue AdriaVeza-Themenwelt Kroatien–Deutschland

Für Fragen von Zugehörigkeit und Leben in zwei Gesellschaften: Integration und Identität.

Für Zweisprachigkeit und die nächste Generation: Kinder und kroatische Sprache.

Für Familien über Grenzen hinweg: Familie und Unterstützung.

Für institutionelle und wirtschaftliche Beziehungen: Kroatien – Deutschland.

Für die Planung eines neuen Lebensmittelpunkts in Kroatien: Rückkehr nach Kroatien.

Für berufliche Kontakte und Unternehmen: Arbeit und Vernetzung.

Häufige Missverständnisse über Kroaten in Deutschland

Die Community ist zu vielfältig, um sie mit wenigen einfachen Sätzen zu erklären.

1. „Alle sind nur wegen des Geldes gekommen“

Wirtschaftliche Gründe sind wichtig, doch Migration kann ebenso mit Familie, Ausbildung, Krieg, Sicherheit, Partnerschaft und beruflicher Entwicklung zusammenhängen.

2. „Alle wollen irgendwann zurück“

Viele wollen es, andere ändern ihre Pläne und manche hatten nie vor, dauerhaft nach Kroatien zurückzukehren.

3. „Die Zahl der kroatischen Staatsangehörigen entspricht allen Menschen kroatischer Herkunft“

Nein. Deutsche Staatsangehörige mit kroatischen Wurzeln werden in der Ausländerstatistik nicht als kroatische Staatsangehörige gezählt.

4. „Die kroatische Migration ist vor allem neu“

Mehr als 152.000 kroatische Staatsangehörige haben bereits eine statistische Aufenthaltsdauer von mindestens 25 Jahren.

5. „Integration bedeutet den Verlust der kroatischen Identität“

Gesellschaftliche Teilhabe in Deutschland und eine starke Verbindung zu Kroatien können gleichzeitig bestehen.

6. „Ein Kind, das besser Deutsch spricht, hat seine kroatische Identität verloren“

Sprache ist wichtig, aber Identität besteht aus wesentlich mehr als sprachlicher Perfektion.

7. „Deutschland ist für Kroaten nur ein Arbeitsort“

Für mehrere Generationen ist Deutschland längst auch Familien-, Bildungs- und Lebensmittelpunkt.

8. „Kroatien ist nur Urlaubsland für die Diaspora“

Für viele bleiben dort Eltern, Immobilien, Geschäftskontakte, Freundschaften oder Pläne für das Alter.

9. „Die kroatische Community denkt politisch und gesellschaftlich einheitlich“

Sie ist regional, sozial, beruflich, politisch und religiös sehr vielfältig.

10. „Wer nicht zurückkehrt, verliert die Verbindung zu Kroatien“

Eine Verbindung kann über Familie, Sprache, Wirtschaft, Kultur und folgende Generationen dauerhaft bestehen.

Häufige Fragen

Im Folgenden finden Sie Antworten auf die häufigsten Fragen zu diesem Thema.

1. Wie viele kroatische Staatsangehörige leben in Deutschland?

Zum 31. Dezember 2025 waren laut Ausländerzentralregister 413.480 Menschen mit kroatischer Staatsangehörigkeit in Deutschland erfasst. Das ist nicht identisch mit der gesamten Bevölkerung kroatischer Herkunft, weil deutsche Staatsangehörige mit kroatischen Wurzeln darin nicht als Kroaten gezählt werden.

2. Wie viele kroatische Staatsangehörige wurden bereits in Deutschland geboren?

Ende 2025 waren 61.750 kroatische Staatsangehörige in Deutschland geboren. Das zeigt deutlich, dass die Community nicht nur aus Menschen besteht, die selbst aus Kroatien eingewandert sind.

3. Sind Kroaten in Deutschland überwiegend junge Arbeitnehmer?

Nein. Ende 2025 waren 61.260 kroatische Staatsangehörige unter 20 Jahre alt und 67.340 mindestens 65 Jahre alt. Die kroatische Bevölkerung in Deutschland ist klar mehrgenerationell.

4. Wann begann die große Nachkriegs-Arbeitsmigration nach Deutschland?

Eine zentrale Zäsur war das Anwerbeabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Jugoslawien im Jahr 1968. Viele Menschen aus den damaligen kroatischen Landesteilen kamen in dieser Phase zum Arbeiten nach Deutschland.

5. Sollten die sogenannten Gastarbeiter dauerhaft in Deutschland bleiben?

Das ursprüngliche Modell ging überwiegend von einem vorübergehenden Aufenthalt aus. In der Realität blieben viele Arbeitnehmer, holten ihre Familien nach und bauten in Deutschland einen dauerhaften Lebensmittelpunkt auf.

6. Was änderte sich mit dem Anwerbestopp 1973?

Die organisierte Arbeitskräfteanwerbung endete, nicht aber die Migration. Familiennachzug und dauerhafte Niederlassung wurden anschließend wichtiger, wodurch aus Arbeitsmigration zunehmend Familienmigration wurde.

7. Welche Bedeutung hatten die 1990er-Jahre für die kroatische Migration?

Der Zerfall Jugoslawiens, die Aggression der JNA und serbischer Kräfte gegen Kroatien, die Besetzung von Teilen Kroatiens sowie der Krieg in Bosnien und Herzegowina, Zerstörung und Vertreibung führten zu einer neuen Phase von Flucht und Migration und beeinflussten zahlreiche kroatische Familien in Deutschland unmittelbar.

8. Was änderte sich mit dem EU-Beitritt Kroatiens?

Kroatien trat am 1. Juli 2013 der EU bei. Seit dem 1. Juli 2015 genießen kroatische Staatsangehörige den vollen freien Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt. Migration zwischen beiden Ländern wurde dadurch wesentlich flexibler.

9. Ist die heutige Migration mit der Gastarbeitermigration vergleichbar?

Nur teilweise. Wirtschaftliche Motive können ähnlich sein, doch rechtlicher Rahmen, Reisemöglichkeiten, Kommunikation und Informationszugang unterscheiden sich grundlegend von den Bedingungen der 1960er- und 1970er-Jahre.

10. Kann man in Deutschland integriert und gleichzeitig eng mit Kroatien verbunden sein?

Ja. Integration bedeutet gesellschaftliche Selbstständigkeit und Teilhabe in Deutschland, nicht die Aufgabe von Familie, Sprache oder kultureller Herkunft. Für viele Menschen gehören heute beide Länder zur eigenen Identität.

11. Wie wichtig sind Deutschkenntnisse?

Sehr wichtig. Gute Deutschkenntnisse erhöhen die Selbstständigkeit bei Arbeit, Behörden, Schule, Gesundheit, Wohnen und bei der Wahrnehmung eigener Rechte.

12. Ist es sinnvoll, dass in Deutschland geborene Kinder Kroatisch lernen?

Für viele Familien ja. Kroatisch ermöglicht direkte Kommunikation mit Großeltern und Verwandten und kann den Zugang zur familiären Geschichte und Kultur erleichtern. Zusätzlich existieren in Deutschland unterschiedliche Formen kroatischen Unterrichts.

13. Ist es ungewöhnlich, wenn ein Kind Kroatisch versteht, aber auf Deutsch antwortet?

Nein. Das ist in mehrsprachigen Familien sehr häufig. Aktive Sprachproduktion und Sprachverständnis entwickeln sich nicht immer gleich schnell. Regelmäßiger positiver Sprachkontakt ist meist sinnvoller als Druck.

14. Bedeutet die deutsche Staatsangehörigkeit einen Verlust der kroatischen Identität?

Nein. Staatsangehörigkeit ist ein rechtlicher Status, Identität ist wesentlich breiter. Auch das deutsche Staatsangehörigkeitsrecht ermöglicht Mehrstaatigkeit heute deutlich umfassender als früher.

15. Warum planen viele jahrzehntelang die Rückkehr und bleiben dennoch in Deutschland?

Weil sich das Leben verankert. Kinder, Arbeit, Wohnung, medizinische Versorgung, Freundschaften und später Enkel können Deutschland zum tatsächlichen Zuhause machen, obwohl der ursprüngliche Plan nur einige Arbeitsjahre vorsah.

16. Ist eine Rückkehr nach Kroatien nach mehreren Jahrzehnten einfach?

Nicht unbedingt. Sowohl Kroatien als auch die zurückkehrende Person haben sich verändert. Verwaltung, Gesundheitswesen, soziale Beziehungen und Alltagsgewohnheiten können eine erneute Anpassung erfordern.

17. Kann man im Ruhestand zwischen Kroatien und Deutschland leben?

Ja, viele Menschen organisieren ihren Alltag so. Wohnsitz, Krankenversicherung, Steuern, Rentenbezug und andere rechtliche Fragen sollten jedoch individuell geklärt werden.

18. Sind Kroaten in Deutschland nur für Kroatien gesellschaftlich wichtig?

Nein. Sie sind gleichzeitig Teil der deutschen Gesellschaft und Wirtschaft. Mehrere Generationen arbeiten, gründen Unternehmen, ziehen Kinder groß und engagieren sich in lokalen Strukturen in Deutschland.

19. Können Kroaten in Deutschland die Beziehungen zwischen beiden Ländern stärken?

Ja. Sprachkenntnisse, Erfahrung mit beiden Gesellschaften und Verständnis für zwei Geschäftskulturen können in Wirtschaft, Bildung, Tourismus, Arbeitsmarkt und vielen anderen Bereichen eine konkrete Brückenfunktion schaffen.

20. Wird die kroatische Identität in Deutschland über die Generationen verschwinden?

Sie wird sich mit Sicherheit verändern, aber Veränderung bedeutet nicht automatisch Verschwinden. Spätere Generationen können ihre Verbindung über Familie, Sprache, Reisen, Kultur, berufliche Kontakte und eigene Entscheidungen gestalten.

Vielleicht leben Kroaten irgendwann nicht mehr „zwischen“, sondern selbstverständlich mit beiden Ländern

Das Wort „zwischen“ kann klingen, als müsse man sich irgendwann entscheiden. Für viele Menschen trifft das nicht mehr zu.

Sie leben in Deutschland und mit Kroatien. Deutschland ist Alltag, Kroatien bleibt Familie, Sprache, Erinnerung, Eigentum, Freundschaft, Geschäft oder Zukunftsplan.

Einige werden zurückkehren, andere bleiben, wieder andere teilen ihr Leben über Jahrzehnte zwischen zwei Orten. Eine in Deutschland geborene Generation wird Kroatien möglicherweise nie als Ort der „Rückkehr“ bezeichnen und es dennoch als Teil der eigenen Herkunft und Identität verstehen.

Kroaten in Deutschland sind nicht nur Menschen, die Kroatien verlassen haben. Sie sind heute ein Teil Deutschlands und zugleich eine lebendige menschliche Verbindung zwischen beiden Ländern.

Diese Geschichte wird mit Kindern weitergehen, die zwei Sprachen sprechen, mit Unternehmern, die in beiden Märkten arbeiten, mit Eltern, die in Kroatien älter werden, mit Enkeln in deutschen Schulen, mit Rückkehrern und mit neuen Zuwanderern.

Das ist das moderne Leben zwischen Kroatien und Deutschland.

Quellen und weiterführende Informationen

Aktuelle Bevölkerungsdaten: Statistisches Bundesamt – Migration und Integration.

Geschichte der Anwerbemigration: Bundeszentrale für politische Bildung – Gastarbeiter und Historische Entwicklung der Migration aus Kroatien.

Historische Dokumentation zu den Kriegen: International Criminal Tribunal for the former Yugoslavia.

Arbeitsmarktzugang kroatischer EU-Bürger: Bundesregierung – Labour market open to Croats.

Bilaterale Beziehungen 2026: Außenministerium der Republik Kroatien.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen dienen der allgemeinen Information und stellen keine individuelle Rechtsberatung oder sonstige Fachberatung dar. Vorschriften, Rechtsprechung, vertragliche Bedingungen und Verfahren können vom konkreten Einzelfall abhängen.

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Kroaten in Deutschland – ein Leben zwischen zwei Ländern

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Kroaten in Deutschland – Geschichte der Migration, Gastarbeiter, Integration, Familie, Sprache, Identität, Rückkehr und die Verbindung zwischen Kroatien und Deutschland.

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Leonardo Miljko

Autor

Leonardo Miljko

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